Ausstellungen

Ein eigener Kanoldt für das Kunstforum Ostdeutsche Galerie

[ad_1]

Seit 2005 ist in der Schausammlung im Kunstforum Ostdeutsche Galerie fast durchgehend „ein Kanoldt“ zu sehen. Alexander Kanoldts nüchterne Stillleben mit den charakteristischen Zimmerpflanzen gelten geradezu als Inbegriff der Neuen Sachlichkeit. Allerdings behalf sich das Museum bisher mit Leihgaben anderer Institutionen. Mit dem frisch angekauften „Stillleben I“ von 1927 bekommt die Sammlung nun ein eigenes Gemälde dieses bedeutenden Künstlers. Seinen Platz findet es neben Werken von Oskar Moll, Oskar Schlemmer und Carlo Mense – allesamt Kanoldts Kollegen an der Breslauer Kunstakademie. Bei der ersten öffentlichen Präsentation des Neuzugangs am 1. August waren fast alle Unterstützer des Ankaufsprojekts anwesend.

Jahrelang war Alexander Kanoldt (Karlsruhe 1881–1939 Berlin) durch großzügige temporäre Leihgaben anderer Museen in der Schausammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie vertreten. Zu sehen waren Gemälde der Staatlichen Museen zu Berlin, des Museums für Kunst und Kulturgeschichte der Philipps-Universität Marburg und der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Nun gelingt es endlich, ein Gemälde dieses bedeutenden Künstlers der Neuen Sachlichkeit für das KOG zu gewinnen.

Die Museumschefin Dr. Agnes Tieze freut sich außerordentlich, dass das Werk angekauft werden konnte. „Unser großer Dank geht an die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, namentlich Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters, an die Ernst von Siemens Kunststiftung und die Kulturstiftung der Länder sowie die Freunde und Förderer des Kunstforums Ostdeutsche Galerie in Regensburg e.V.“, benennt sie die Unterstützer dieses im Hinblick auf den Marktwert des Künstlers ambitionierten Unterfangens.

„1927, als das Gemälde entstand, war Alexander Kanoldt Professor an der Staatlichen Hochschule für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau und auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Das dort entstandene Stillleben ist eine Ikone der Neuen Sachlichkeit, wurde von einem jüdischen Sammler erworben, verfolgungsbedingt verkauft, kriegsbedingt ausgelagert, gestohlen, von einem deutschen Museum erworben und schließlich an die ursprüngliche Sammlerfamilie restituiert. Vorkriegskunst aus Schlesien mit einer exemplarischen Objektgeschichte kann nirgends sinnvoller gezeigt werden als im Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg! Wir haben gerne dazu beigetragen“, freut sich Dr. Martin Hoernes, Generalsekretär der Ernst von Siemens Kunststiftung.

Auch Prof. Dr. Markus Hilgert, Generalsekretär der Kulturstiftung der Länder, weist auf die bewegte Geschichte des Stilllebens hin: „Der Sammlung des jüdischen Fabrikanten Smoschewer 1939 durch Zwangsverkauf entrissen, konnte das Gemälde erst 2017 erfolgreich an die Familie zurückgegeben werden. Das Gemälde steht somit exemplarisch für die rechtmäßige Restitution von Kulturgütern aus jüdischen Sammlungen auf Basis der Washingtoner Prinzipien. Der Erwerb verpflichtet das Kunstforum Ostdeutsche Galerie Regensburg in besonderer Weise, geschehenes Unrecht zu benennen und die Aufklärung aktiv zu gestalten.“

Für Dr. Kirsten Remky, Vorstandsvorsitzende der Freunde und Förderer des Kunstforums Ostdeutsche Galerie in Regensburg e.V. stellt „das Stillleben von Alexander Kanoldt ein Glücksfall und eine Bereicherung für die Sammlung des Kunstforums Ostdeutsche Galerie“ dar. „Es ist ein kunsthistorisch bedeutendes Frühwerk der Neuen Sachlichkeit mit faszinierender Anziehungskraft und daher selbstverständlich auch unsere Aufgabe, dass der Verein der Freunde und Förderer, den Ankauf dieses Gemäldes finanziell unterstützt“, fasst sie zusammen.

Bei der ersten öffentlichen Präsentation des „eigenen Kanoldts fürs KOG“ am Donnerstag, 1. August, kamen die genannten Vertreter der Förderinstitutionen zusammen. Gemeinsam mit Direktorin Dr. Agnes Tieze, ihrem Team und weiteren Gästen weihten sie sinnbildlich den Neuzuwachs an seinem Platz in der Schausammlung ein. Hier können das „Stillleben I“ ab sofort auch die Besucherinnen und Besucher bewundern. Wer mehr über das Kunstwerk erfahren möchte, ist herzlich zu der Expertenführung mit dem Verfasser des Werkverzeichnisses von Alexander Kanoldt, Dr. Michael Koch, eingeladen. Diese findet am Sonntag, 22. September, um 11 Uhr, statt.